Bären-Tipps

macplanet am 20. Februar 2010 um 20:12

Hier meine Tipps für die Verleihung der Bären, die in diesen Minuten beginnt:

Für den goldenen Bären (und den Großen Preis der Jury) halte ich von den Filmen, die gesehen habe, den deutschen Der Räuber sowie den rumänischen Eu Cand Vreau Sa Fluier, Fluier für die Favoriten. Daneben hat vermutlich Alexei Popogrebiskys Kak Ya Provel Etim Letom / How I Ended This Summer gute Chancen — oder ein Trotz-Bär für Roman Polanskis Ghost Writer?

Ich tippe mal auf Eu Cand Vreau Sa Fluier, Fluier (wobei Der Räuber mein Favorit wäre).

Beim besten Darsteller sind meine Favoriten Depardieu in Mammuth und Andreas Lust als Räuber. Mein Tipp: Ewan McGregor in The Ghost Writer.

Und als beste Darstellerin ist einer meiner Tipps auch gleichzeitig meine Favoritin: Julianne Moore in The Kids are All Right, wobei ich auch Zrinka Cvitesic aus Na Puto für chancenreich (und etwas origineller) halte …

Update:

Na, da lag ich ja gar nicht mal komplett daneben. Bal / Honey, der den goldenen Bären gewonnen hat, hatte ich allerdings nicht auf der Liste (und auch nicht gesehen), und auch Shinobu Terajima, die Hauptdarstellerin von Caterpillar nicht.

Ein Trotz-Regiebär für Polanski immerhin, und mit How I Ended This Summer hab ich wohl tatsächlich ein absolutes Highlight verpasst …

Kinotagebuch: New York Memories

macplanet am 20. Februar 2010 um 20:10

New York Memories von Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim, der bis vor einigen Jahren in New York gelebt hat, kehrt nach einer längeren Pause in seine Lieblingsstadt zurück und berichtet von Treffen mit mehreren Bekannten von damals, größtenteil aus der Zeit seines New-York-Films “Überleben in New York” von 1989.
Naturgemäß sind Rosas Gesprächspartner sehr unterschiedlich (und auch durchaus unterschiedlich interessant), aber im Ganzen ein sehr spannendes Portrait der sich veränderten Kultur und der queeren Subkulturen in Manhattan.

Gesehen auf der Berlinale 2010

Kinotagebuch: The Killer Inside Me

macplanet am 20. Februar 2010 um 20:04

The Killer Inside Me von Michael Winterbottom

Nach “Jud Süß” der zweite (kleinere) Aufreger des Festivals:
Formal ist The Killer Inside Me ein komplexer (und gut konstuierter) Neo Noir: Lou, ein amerikanischer Kleinstadtpolizist schlägt sich auf die andere Seite und begeht eine Reihe von Morden, die er auf perfide Art und Weise Anderen in die Schuhe schiebt.
Casey Affleck stellt Lou als perfide kalkulierenden und mit extremer Brutalität vorgehenden Sadisten dar — und Winterbottom inszeniert die ausufernde Gewalt in manchen Szenen am Rande oder jenseits des Erträglichen.
In manchen Kritiken wurde er angegriffen, er würde mit The Killer Inside Me die Gewalt beschönigen oder relativieren.
Obwohl man in der Tat fragen kann, ob The Killer Inside Me mit dem einen oder anderen Tritt oder Close-Up auf das Gesicht der geschundenen Opfer Lous ein schlechterer Film geworden wäre (wäre er nicht): Der Vorwurf ist absurd. Kritik wäre allenfalls an den schwer verständlichen Liebesschwürden von Lous weiblichen Opfern angebracht, die sie ihrem Mörder trotz seiner Brutalität machen. Aber ein Regisseur ist wohl kaum verpflichtet, jede Handlung seiner Figuren mit einem keinesfalls mißverständlichen Beipackzettel zu versehen.
The Killer Inside Me ist ein fürs breite Publikum nicht geeigneter Film. Er ist aber auch für ein Publikum, dem man unterstellen könnte, für Gewaltverherrlichung anfällig zu sein, kaum interessant — dafür ist er außerhalb der brutalen Eskalationen zu schön gemacht, zu komplex und zu raffiniert.

Gesehen auf der Berlinale 2010

Kinotagebuch: En Familie

macplanet am 20. Februar 2010 um 19:45

En Familie von Pernille Fischer Christensen

Auf in den letzten Berlinale-Tag …
Ein Familien-Drama: Ditte ist zerrissen zwischen der großen Zukunft, die in New York auf sie wartet, wo der jungen Galeristen ein Traumjob angeboten wurde, und ihrer Heimat in Dänemark, wo ihr krebskranker Vater dem Tod zunächst scheinbar noch mal von der Schippe springen konnte, dann aber doch von der Krankheit außer Gefecht gesetzt wird. Er bangt um die Zukunft seiner erfolgreichen und seit Generationen bestehenden Bäckerei — in Ditte sieht er die einzige, der er zutraut, sein Erbe weiterzuführen.
Ein in den Hauptrollen sehr treffend besetzter Film, der allerdings seine Nebenrollen etwas vernachlässigt: Die komplizierten Familienverhältnisse der Patchwork-Familiendynastie werden zwar in einem wunderschönen Vorspann vorgestellt, danach tauchen manche Figuren aber zu selten und dann etwas unvermittelt auf, als daß sie Teil des ganzen werden könnten. Das hochemotionale Ende wird von der Zielgruppe aber sicherlich goutiert werden (und den Absatz von Papiertaschentüchern in die Höhe schnellen lassen).

Gesehen auf der Berlinale 2010

Kinotagebuch: Mammuth

macplanet am 20. Februar 2010 um 19:36

Mammuth von Benoit Delepine und Gustave Kevern

Ein weiterer Film im Wettbewerb, der klar aus dem Arthouse-Segment kommt, trotz Starbesetzung mit Gerard Depardieu.
Mammut ist der neue Film von Benoit Delpine (Louise hires a Contract Killer) und wie dort spielt Yolande Moreau die weibliche Hauptrolle. Getragen wird der Film aber von Depardieus Mammuth, dem gerade in Rente gegangenen Schlachthof-Arbeiter Mammuth, der feststellt, daß ihm keinerlei Unterlagen vorliegen, mit denen er seine Rentenansprüche durchsetzen könnte, weshalb er jeden der (vielen) Arbeitgeber der letzten Jahrzehnte mit seinem alten Mammut-Motorrad abklappert. Depardieu spielt den tumben aber warmherzigen Mammuth körperlich durch lange, fettige Haare und Schmerbauch grotesk verunstaltet. Seine großen Momente hat der Film aber in den absurden, teils schreiend komischen, teils auf geniale Art seltsamen Miniaturen — nicht zuletzt Depardieu in der vermutlich unerotischsten schwulen Sex-Szene der jüngeren Kinogeschichte …

Beide Filme ähneln sich in der Hinsicht, daß sie diese wunderbaren groteske Momente haben, wobei bei Mammuth die Story besser zu tragen scheint und das Ganze weitaus runder gelungen ist (was allerdings auch daran liegen kann, daß Mammuth in Berlin natürlich in der Originalfassung lief, ich Louise aber in der deutschen Synchro gesehen habe, die vermutlich viele Details der Dialoge zunichte gemacht hat).
Ein Film, der nicht so recht ins glamouröse Ambiente des Berlinale-Palastes passen wollte, aber dennoch oder deswegen ganz klar eines der Highlights.

Gesehen in der Weltpremiere auf der Berlinale 2010


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