Archiv der Kategorie 'Kinotagebuch'

Kinotagebuch: Inception

Montag, den 9. August 2010

Christopher Nolan: Inception

Ein klassisches Science-Fiction-Motiv: Das Spiel mit verschiedenen Realitätsebenen. Erdacht wohl vor allem von Philip K. Dick, dessen Werk “Ubik” der ungenannte Ideensteinbruch zu “Inception” sein dürfte. Umgesetzt in ähnlicher Form wie bei Inception unter anderem (sehenswert) in eXistenZ oder (weniger sehenswert) in Matrix. (YMMV)

Inception ist in vielerlei Hinsicht ein im besten Sinne klassischer Science-Fiction-Film: Er behauptet das Existieren einer neuen Technik, der Möglichkeit, Menschen durch die Manipulation ihrer Träume zu beeinflussen. Und er findet eine filmisch adäquate Form, diese Idee umzusetzen, wenn er tricktechnisch meist auf der Höhe der Zeit das Entstehen und Vergehen der Traumwelten und die Beeinflussung der verschiedenen Ebenen visualisiert.

Das Ganze gerät dank Christopher Nolan durchaus sehr spannend — Nolan hat bekanntermaßen ein Händchen für das Timing einer so ausufernden Geschichte, er versteht es, ihre Kompliziertheit immer wieder auf ein Maß zu reduzieren, das dem durchschnittlichen Kinogänger nicht zu viele Transferleistungen abverlangt und er unterliegt nur bei manchen Action-Höhepunkten, die er dem Filmen geben zu müssen meinte, der Versuchung, an die Stelle von filmischer Brillanz teures Augenpulver zu setzen — daß der Film mit einer (hier nicht im Detail wiedergebbaren) Referenz an Citizen Cane seinen Höhepunkt findet, läßt einen manch überflüssiges Slow-Motion-Schautanzen und manche Explosion vergessen.

Und dennoch liegt hier der Punkt, an dem Inception dann doch hinter manchen Erwartungen zurückbleibt: Anders als in Memento, wo die gezielte Publikumsüberforderung durch eine originelle Erzählweise noch glänzend funktionierte, sind die filmischen Beine, auf die Nolan seine vielbödige Geschichte hier stellt, dann doch etwas konventionell. Es mag enorm schwer sein, ein Werk wie Ubik mit alle seinen Vielschichtigkeiten auf die Leinwand zu adaptieren. Inception gibt folglich allenfalls in machen Szenen einen Vorgeschmack auf das Werk, das aus so einem Stoff werden könnte. Inception bleibt der schlichte kleine Bruder dieser großen Geschichte.

Dennoch: Ein überaus sehenswerter Film und sicher einer der cleversten Filme, die sich jemals ganz oben in den Kino-Charts herumgetrieben haben.

Gesehen im Cinecittá

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Kinotagebuch: Plastic Planet

Dienstag, den 6. April 2010

Was passiert, wenn ein Österreicher versucht, einen Film in Michael Moore’scher Manier zu drehen, über die Gefahren, die Plastik für Mensch und Natur hat? Hätte brutal schiefgehen können, ist es aber nicht: “Plastic Planet” ist ein durchaus witziger und lehrreicher Film geworden. Stilistisch kann sich der Regisseur Werner Boote zwar teilweise zwischen Moore’scher Konfrontationstaktik, erläuternden Illustrationen und Off-Kommentaren nicht richtig entscheiden, das mag man ihm aber nicht wirklich übelnehmen.

Gesehen auf den Hofer Filmtagen 2009

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Kinotagebuch: Troubled Water

Montag, den 5. April 2010

Und noch mal ein Festival-Film: “Troubled Water“, der auf der Filmkunstmesse lief.

“Der beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe”, hat Michael Moore über diesen Film geurteilt. Mag schon sein: “Troubled Water” ist einer der Filme, die auch nach Monaten noch nachwirken. Ich hätte zwar Probleme, jedes Detail der Handlung wiederzugeben, aber die Stimmung des Filmes, den ich vor einem halben Jahr gesehen habe, ist immer noch präsent: Da ist Jan Thomas, Organist, gerade aus der Haft entlassen, der eine neue Anstellung in einer kleinen Kirchengemeinde in Norwegen findet. Die junge Pastorin Anna hat sich für ihn eingesetzt und ihm die Stellung verschafft. Aus der Sympathie für den Geläuterten wird eine Beziehung. Erst langsam stellt sich heraus, daß das, was vor acht Jahren geschah und der Grund für Jan Thomas’ Gefängnisaufenthalt war: Er wurde, damals noch als Jugendlicher, verurteilt für den Tod eines Kindes, den er zusammen mit einem Freund verschuldet hatte. Ein Kind, das Annas Sohn zum Verwechseln ähnlich sieht, und dessen Mutter plötzlich ebenfalls wieder auftaucht. Sowohl die Protagonisten als auch die Zuschauer verstehen erst allmählich die komplexen Zusammenhänge und Parallelen.

Ein Drama um Schuld und Sühne, ein beeindruckender Film!

Gesehen auf der Filmkunstmesse Leipzig 2009 (in der wunderbaren “Kinobar Prager Frühling“)

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Kinotagebuch: Parkour

Samstag, den 3. April 2010

Ich habe noch ein gewaltiges Backlog meines Kinotagebuches zu bewältigen, darunter einige Filme, die jetzt anlaufen, die ich aber schon vor längerem auf einem Festival gesehen habe.

Also los: “Parkour” von Marc Rensing. Meine Original-Notiz aus Hof:

Und gleich der nächste Hoffnungsträger der jungen Filmszene: Marc Rensings Drama wurde mit reichlich Vorschußlorbeeren bedacht und hat in Hof auch den Kodak-Förderpreis gewonnen. Für mich im Vergleich zu den anderen jungen deutschen Filmen eher enttäuschend: Das Setting in der Parkour-Szene (Jugendliche nutzen Stadt und Industrieruinen als Spielplatz für waghalsige Klettereien und Sprünge) ist sehr spannend, inszeniert wurde der Film aber mit angezogener Handbremse — die Konflikte sind eher konventionell erzählt, die “Hauptperson sieht Menschen, die gar nicht da sind”-Idee ist m.E. etwas ausgelutscht und zu durchsichtig umgesetzt und diese Art von offenem Ende macht auf mich den Eindruck, daß der Drehbuchautor sich um eine Entscheidung drücken wollte. Kein schlechter Film, aber man ist halt verwöhnt …

Gesehen auf den Hofer Filmtagen 2009

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Kinotagebuch: New York Memories

Samstag, den 20. Februar 2010

New York Memories von Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim, der bis vor einigen Jahren in New York gelebt hat, kehrt nach einer längeren Pause in seine Lieblingsstadt zurück und berichtet von Treffen mit mehreren Bekannten von damals, größtenteil aus der Zeit seines New-York-Films “Überleben in New York” von 1989.
Naturgemäß sind Rosas Gesprächspartner sehr unterschiedlich (und auch durchaus unterschiedlich interessant), aber im Ganzen ein sehr spannendes Portrait der sich veränderten Kultur und der queeren Subkulturen in Manhattan.

Gesehen auf der Berlinale 2010

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