Brothers (2009) von Jim Sheridan
Das amerikanische Kino beginnt sich mit dem Debakel in Afghanistan zu beschäftigen: Brothers erzählt die Geschichte zweier Brüder — der eine ein scheinbarer Versager, der andere in Afghanistan im Einsatz, wo er als Geisel genommen und über Monate festgehalten wird. In dieser Zeit wird der Daheimgebliebene zum Ersatzvater der beiden Kinder seines Bruders und gerät auch in eine erotische Spannung mit dessen Frau. Als der Gekidnappte freikommt (tief traumatisiert und verroht) eskaliert die Situation.
Brothers ist erstklassig besetztes und hervorragend gespieltes Mainstreamkino. Und er ist an allererster Stelle ein Film, der seine Aufgabe im US-amerikanischen Diskurs über den Sinn des Krieges in Afghanistan erfüllen muß. Neben allem, was er über das Funktionieren von Soldaten erzählt, über die Unmöglichkeit, sich auf das Grauen des Krieges vorzubereiten und über die Rolle von Menschen, die nach ihrer Rückkehr wieder eine Rolle erfüllen müssen — die des Kriegshelden –, liegt die Sprengkraft von Brothers wohl vor allem in seiner zentralen Aussage, daß der Afghanistan-Krieg auf dem Weg dahin ist, zu einem zweiten Vietnam zu werden.
Gesehen auf der Filmkunstmesse 2010