Never let me go (2010) von Mark Romanek
Verfilmung der Romanvorlage von Kazuo Ishiguro: Ein perfide angelegter Stoff über die Grenzen der Ethik:
Wir befinden uns scheinbar im England der Gegenwart: Ein Internat, in dem harte Sitten herrschen, Aufseherinnen, die die Schülerinnen und Schüler zu Ordnung, Gesundheit und Kreativität anhalten, merkwürdige Mythen und Regeln, die stets im Hintergrund präsent sind, gleichzeitig eine bemerkenswert offene Sexualmoral — und über allem ein schwer faßbares Gefühl, daß irgendetwas an der Situation nicht stimmt.
Man mag Romanek vorhalten, daß die Dramaturgie der Geschichte im Roman noch besser funktioniert als im Film: Auf hunderten Romanseiten läßt sich Ishiguro mehr Zeit damit, das dunkle Geheimnis zu entschlüsseln und den Blick auf eine ethische Monstrosität zu enthüllen (die an dieser Stelle nicht verraten werden darf, da ihre Kenntnis die Wirkung des Filmes wohl verändern würde). In 103 Filmminuten muß der Blick auf das Grauen schon nach einer Dreiviertelstunde freigestellt werden. Dennoch gelingt es Romanek meisterlich, die Stimmung des Buches auf sein Medium zu transferieren. Der Film lebt dabei vom durchwegs erstklassigen Cast, allen voran Carey Mulligan in der Hauptrolle, die sich mit dieser Rolle für eine zweite Oscar-Nominierung (nach An Education) qualifiziert haben dürfte.
Ein ernsthafter, politischer, ein herausragender Film, der ein Klassiker des politischen Science-Fiction-Genres (sic!) werden dürfte.
Gesehen auf der Filmkunstmesse 2010
- Kinotagebuch: Monsters
- Kinotagebuch: Brothers
- Kinotagebuch: Alles, was wir geben mußten
- Kinotagebuch: Drei
- Kinotagebuch: Orly
- Kinotagebuch: Au Revoir Taipei
- Kinotagebuch: Road, Movie