Homöopathisches (mit Nachtrag)

Ich bin ja selten mit Ideen der Politik einverstanden, die das Gesundheitssystem betreffen — aber der Ansatz, Homöopathie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen, hat doch mal was. Immerhin traut sich mal jemand, öffentlich die (nicht besonders originelle) Meinung zu äußern, daß Homöopathika wenn überhaupt, dann nur ob eines Placebo-Effekts wirken. Von wegen “wer heilt hat recht” — wer behauptet zu heilen, muß die Wirksamkeit seiner Methode nachweisen (wohlgemerkt die Wirksamkeit, anhand einer sauberen Wirksamkeitsstudie und nicht das Wirkprinzip. Denn das ist auch bei vielen schulmedizinischen Methoden alles andere als komplett verstanden, was aber auch gar kein Problem darstellt).

Und um gleich noch mit einem zweiten Mythos aufzuräumen: “Wenns schon nichts nützt, kann es doch zumindest nicht schaden”, behaupten ja gerne die leicht-verstrahlten Mütter, die ihre wehrlosen Kinder mit “Kügelchen” abfüttern. Falsch, ganz falsch: Negative organische Auswirkungen werden die Traubenzucker-Pillen zwar in der Tat nicht haben. Auf einer anderen Ebene grenzt ihr Einsatz aber tatsächlich an Kindesmißbrauch: Wer seinen Kindern systematisch eintrichtert, daß jedes noch so kleine Unwohlsein und jedes echte Krankheitsbild wirksam mit einer Pille behandelbar ist, erreicht nur eines: Die Kinder werden abhängig von den Placebos. So wird schließlich jedes angestoßene Knie zu einer kleinen Katastrophe, wenn die Mutter gerade mal nicht mit ihrem Sortiment an Hochpotenziertem bereitsteht. Wenn auf der anderen Seite echte Symptome mit wirkungslosen Medikamenten “behandelt” werden statt echte medizinische Hilfe zu suchen, droht um so schlimmeres. Da helfen dann im Zweifelsfall auch Muttis Rescue-Tropfen nicht mehr.

Vielleicht ist der Vorstoß, Homöopathie aus dem Kassenkatalog zu nehmen, ja ein Anstoß zu einem breiten Umdenken: Homöopathie ist alles andere als “sanfte” oder “natürliche” Medizin. So notwendig es in manchen Fällen sein mag, Medizin nur als lehrbuchmäßige Reaktion auf Symptome zu sehen und psychosomatische Aspekte zu ignorieren, so verwerflich ist es auf der anderen Seite, wenn breite Bevölkerungsschichten einer mittelalterlichen Quacksalberei anhängen.

P.S.: Kein gutes Zeugnis stellen sich die Grünen mit ihrer Kritik des SPD-Vorstoßes aus. Renate Künast wird folgendermaßen zitiert:

Die pauschale Kritik an der Homöopathie verkennt, dass selbst die Schulmedizin in vielen Fällen auf die industrielle Nachahmung von Heilmitteln zurückgreift, die es in der Natur kostenlos gibt.

Ja und? Homoöpathika sind keine natürlichen Heilmittel (abgesehen davon, daß sie gar keine Heilmittel sind). Naturmedizin und Homöopathie sind grundverschiedene Dinge und die meisten Naturmediziner werden sich dagegen verwahren, mit den Globuli-Quacksalbern in einen Topf geworfen zu werden (via Mario Sixtus.)

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