Monatsarchiv für Februar 2010

Kinotagebuch: Mammuth

Samstag, den 20. Februar 2010

Mammuth von Benoit Delepine und Gustave Kevern

Ein weiterer Film im Wettbewerb, der klar aus dem Arthouse-Segment kommt, trotz Starbesetzung mit Gerard Depardieu.
Mammut ist der neue Film von Benoit Delpine (Louise hires a Contract Killer) und wie dort spielt Yolande Moreau die weibliche Hauptrolle. Getragen wird der Film aber von Depardieus Serge Pilardosse, dem gerade in Rente gegangenen Schlachthof-Arbeiter, der feststellt, daß ihm keinerlei Unterlagen vorliegen, mit denen er seine Rentenansprüche durchsetzen könnte, weshalb er jeden der (vielen) Arbeitgeber der letzten Jahrzehnte mit seinem alten Mammut-Motorrad abklappert. Depardieu spielt den tumben aber warmherzigen Mammuth körperlich durch lange, fettige Haare und Schmerbauch grotesk verunstaltet. Seine großen Momente hat der Film aber in den absurden, teils schreiend komischen, teils auf geniale Art seltsamen Miniaturen — nicht zuletzt Depardieu in der vermutlich unerotischsten schwulen Sex-Szene der jüngeren Kinogeschichte …

Beide Filme ähneln sich in der Hinsicht, daß sie diese wunderbaren groteske Momente haben, wobei bei Mammuth die Story besser zu tragen scheint und das Ganze weitaus runder gelungen ist (was allerdings auch daran liegen kann, daß Mammuth in Berlin natürlich in der Originalfassung lief, ich Louise aber in der deutschen Synchro gesehen habe, die vermutlich viele Details der Dialoge zunichte gemacht hat).
Ein Film, der nicht so recht ins glamouröse Ambiente des Berlinale-Palastes passen wollte, aber dennoch oder deswegen ganz klar eines der Highlights.

Gesehen in der Weltpremiere auf der Berlinale 2010

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Kinotagebuch: Rompecabezas

Freitag, den 19. Februar 2010

Rompecabezas von Natalia Smirnoff

Nette Komödie aus Argentinien um eine Frau, die ihrem mausgrauen Hausfrauen-Dasein entkommt, als sie ihre Begabung erkennt: Sie ist ein Naturtalent im Puzzle-Spielen und beginnt eine Karriere als Wettkampf-Puzzlerin. Mal wieder ein Film, dem letztlich die zündende Idee fehlt, die Story zuende zu führen statt sie (wie geschehen) mehr oder weniger im Sande verlaufen zu lassen.

Gesehen auf der Berlinale 2010

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Kinotagebuch: Vincent will meer

Freitag, den 19. Februar 2010

Vincent will meer von Ralf Huettner

Eine größtenteils recht unterhaltsame Ausreißer-Geschichte: Drei Bewohner einer Klinik für psychisch kranke (Vincent mit Tourette-Syndrom, ein Zwangsneurotiker und eine Anorektikerin) klauen das Auto der Chefärztin und machen sich auf den Weg nach Italien um dort die Asche von Vincents Mutter zu vertreuen. Mal abgesehen von diesem groben Handlungs-Bug (Asche-Verstreuen geht in Deutschland gesetzlich nicht) hat der Film durchaus seine Momente (“Hast Du mich gerade Fotze genannt?” — “Das war sein Tourette” — “Nein, das hab ich schon so gemeint!), wenngleich die Handlung außerhalb des Ausreißer-Trios nicht übermäßig überzeugt.

Gesehen auf der Berlinale 2010 (AG-Kino-Screning)

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Kinotagebuch: The Kids Are All Right

Freitag, den 19. Februar 2010

The Kids Are All Right von Lisa Cholodenko

Zum Abschluß meines drittletzten Berlinale-Tags eine Wohltat: Nach all den dramatischen Geschichten eine wirklich witzige Komödie am Rande des Mainstreams. Der dritte Film mit Julianne Moore, dieses Mal zusammen mit Annette Benning als lesbisches Paar mit zwei Kindern auf der Suche nach ihrem Samenspender.

Daß heute am Rande des Mainstreams Filme entstehen, in denen lesbische Paare Schwulen-Pornos schauen dürfen, ist wahrlich ein gutes Zeichen.

Gesehen auf der Berlinale 2010

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Kinotagebuch: Shahada

Freitag, den 19. Februar 2010

Shahada von Burhan Qurbani

So kann man einen Film über das Zusammentreffen von westlichen Werten und islamischem Fundamentalismus auch machen:

Die Thematik von Shahada ist letztlich eine ähnliche wie die von Na Puto: Eine junge Muslima ist schwanger, treibt das Kind illegal ab und wird wegen der Schuldgefühle zur Sittenwächterin der liberalen Gemeinde, der ihr Vater als Imam vorsteht. Ein junger Moslem kriegt seine Homosexualität nicht mit der Religion unter einen Hut. Und ein Polizist hat Schuldgefühle, seit er eine Frau versehentlich angeschossen und dabei ihr ungeborenes Kind getötet hat.

Für mich der erste wirklich schwache Wettbewerbsfilm der Berlinale: Alle drei Handlungsstränge sind so krude angelegt, daß sie die meisten Tatort-Drehbücher nach hoher Filmkunst aussehen lassen. Hier wird nichts glaubhaft gemacht, sondern jeder Zwiespalt der Personen ausschließlich behauptet — und wenn die Behauptung nicht ausreichend erscheint, wird ganz groß auf die Schwulst-Tube gedrückt und das Ganze mit einem Schwall von kitschigem Musik-Bombast übergossen. Schade, das Thema wäre es wert, erzählt zu werden!

Gesehen auf der Berlinale 2010

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