Kinotagebuch: The Killer Inside Me

The Killer Inside Me von Michael Winterbottom

Nach “Jud Süß” der zweite (kleinere) Aufreger des Festivals:
Formal ist The Killer Inside Me ein komplexer (und gut konstuierter) Neo Noir: Lou, ein amerikanischer Kleinstadtpolizist schlägt sich auf die andere Seite und begeht eine Reihe von Morden, die er auf perfide Art und Weise Anderen in die Schuhe schiebt.
Casey Affleck stellt Lou als perfide kalkulierenden und mit extremer Brutalität vorgehenden Sadisten dar — und Winterbottom inszeniert die ausufernde Gewalt in manchen Szenen am Rande oder jenseits des Erträglichen.
In manchen Kritiken wurde er angegriffen, er würde mit The Killer Inside Me die Gewalt beschönigen oder relativieren.
Obwohl man in der Tat fragen kann, ob The Killer Inside Me mit dem einen oder anderen Tritt oder Close-Up auf das Gesicht der geschundenen Opfer Lous ein schlechterer Film geworden wäre (wäre er nicht): Der Vorwurf ist absurd. Kritik wäre allenfalls an den schwer verständlichen Liebesschwürden von Lous weiblichen Opfern angebracht, die sie ihrem Mörder trotz seiner Brutalität machen. Aber ein Regisseur ist wohl kaum verpflichtet, jede Handlung seiner Figuren mit einem keinesfalls mißverständlichen Beipackzettel zu versehen.
The Killer Inside Me ist ein fürs breite Publikum nicht geeigneter Film. Er ist aber auch für ein Publikum, dem man unterstellen könnte, für Gewaltverherrlichung anfällig zu sein, kaum interessant — dafür ist er außerhalb der brutalen Eskalationen zu schön gemacht, zu komplex und zu raffiniert.

Gesehen auf der Berlinale 2010

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Eine Antwort auf Kinotagebuch: The Killer Inside Me

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