Precious: Based on the Novel Push by Sapphire von Lee Daniels
Precious könnte der Überraschungserfolg der Oscar-Verleihung werden: Schon die sechs Nominierungen sind eine Sensation für einen eher Film, der eher aus dem Arthouse-Segment kommt, Precious scheint zudem einen Nerv in den USA zu treffen und hat auch in Sundance sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis gewonnen.
Die Geschichte ist eine klassische Cinderella-Story: Precious, ein Mädchen aus der schwarzen Unterschicht, illiterat und stark übergewichtig, zum zweiten Mal schwanger durch eine Vergewaltigung durch ihren Vater und ständig der Gewalt der Mutter ausgesetzt, deren Leben mit Fernsehen und Hausbesuchen des Jugendamtes ausgefüllt ist. Ihre aufmerksame Schuldirektorin sorgt dafür, daß Precious eine Förderschule besuchen kann, wo eine einfühlsame Lehrerin es schafft, zu Precious durchzudringen, die ehemalige Analphabetin dazu bringt, Schreiben zu lernen (und ein Tagebuch zu führen) und auch sonst ihr Leben auf die Reihe zu bringen.
Man mag kritisieren, daß der Film in manchen Sequenzen etwas zu rührselig und zu glatt ist — in anderen ist er allerdings ausgesprochen drastisch, vor allem in der Darstellung der cholerischen, von der Komödiantin Mo’Nique verkörperten Mutter, die völlig zu recht den Oscar für die beste Nebenrolle erhalten dürfte.
In jedem Fall ein Film, der auch in Deutschland zum Independent-Erfolg werden dürfte — nachdem er größte Schwierigkeiten hatte, überhaupt einen Verleih zu finden. Im Kino sollte man ihn sich so irgend möglich in der Originalfassung ansehen, die Feinheiten der derben Ghetto-Sprache, die einen nicht unerheblichen Teil der Dialoge ausmacht, dürfte kaum brauchbar synchronisierbar zu sein.
Gesehen auf der Berlinale 2010 (AG Kino-Screening)