Kinotagebuch: Mammuth

Mammuth von Benoit Delepine und Gustave Kevern

Ein weiterer Film im Wettbewerb, der klar aus dem Arthouse-Segment kommt, trotz Starbesetzung mit Gerard Depardieu.
Mammut ist der neue Film von Benoit Delpine (Louise hires a Contract Killer) und wie dort spielt Yolande Moreau die weibliche Hauptrolle. Getragen wird der Film aber von Depardieus Serge Pilardosse, dem gerade in Rente gegangenen Schlachthof-Arbeiter, der feststellt, daß ihm keinerlei Unterlagen vorliegen, mit denen er seine Rentenansprüche durchsetzen könnte, weshalb er jeden der (vielen) Arbeitgeber der letzten Jahrzehnte mit seinem alten Mammut-Motorrad abklappert. Depardieu spielt den tumben aber warmherzigen Mammuth körperlich durch lange, fettige Haare und Schmerbauch grotesk verunstaltet. Seine großen Momente hat der Film aber in den absurden, teils schreiend komischen, teils auf geniale Art seltsamen Miniaturen — nicht zuletzt Depardieu in der vermutlich unerotischsten schwulen Sex-Szene der jüngeren Kinogeschichte …

Beide Filme ähneln sich in der Hinsicht, daß sie diese wunderbaren groteske Momente haben, wobei bei Mammuth die Story besser zu tragen scheint und das Ganze weitaus runder gelungen ist (was allerdings auch daran liegen kann, daß Mammuth in Berlin natürlich in der Originalfassung lief, ich Louise aber in der deutschen Synchro gesehen habe, die vermutlich viele Details der Dialoge zunichte gemacht hat).
Ein Film, der nicht so recht ins glamouröse Ambiente des Berlinale-Palastes passen wollte, aber dennoch oder deswegen ganz klar eines der Highlights.

Gesehen in der Weltpremiere auf der Berlinale 2010

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