And the Oscar goes to … (2)

Obwohl ich noch immer nicht alle nominierten Filme gesehen habe, hier mal ein erster Schuß meiner Tipps. Natürlich behalte ich mir bis vor der Verleihung (am 22. Februar) noch Änderungen vor …

Alles weitere nach dem Klick …

In alphabetischer Reihenfolge (wie auch auf dem Official Ballot, dem die Academy tatsächlich mal einen Facelift spendiert hat …), wobei ich die Kurzfilme weglasse.

Performance by an actor in a leading role:

Hier habe ich zwar erst zwei Filme gesehen (“Milk” und “The Wrestler”), aber die Sache halte ich für ausgemacht. Sean Penn ist großartig, “Milk” ist vermutlich der bessere und wichtigere Film, aber Mickey Rourke als abgehalfterter, Hörgerät-tragender Wrestler mit Herzinfarkt-Narbe ist so physisch wie lange kein Darsteller mehr.

Performance by an actor in a supporting role:

Hier wäre alles andere als die postume Ehrung für Heath Ledger eine Riesenüberraschung.

(Nebenbei gesagt war The Dark Knight nicht Ledgers letzte Rolle, auch wenn das immer so kolportiert wird. Er spielte unmittelbar vor seinem Tod noch in Terry Gilliams “The Imaginarium of Doctor Parnassus” mit, der nun offenbar tatsächlich veröffentlicht wird — Gilliam hat den Film mit Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell in Ledgers Rolle in Ed-Woodscher Manier fertiggestellt.)

Performance by an actress in a leading role

Zeit für Kate Winslets ersten Oscar (den sie natürlich schon 2005 hätte bekommen sollen. Nein, 2005 ist nicht Titanic rausgekommen …)

Performance by an actress in a supporting role

Ich schwanke zwischen Marisa Tomei und Penélope Cruz.

Best animated feature film of the year

Bedarf keiner großen Überlegung, und so enttäuschend Wall-E auch war, so verdient gewinnt er bei der Konkurrenz.

Nur wie er gleich zu sechs Nominierungen gekommen ist (und dann auch noch ausgerechnet fürs Drehbuch!), ist mir schleierhaft.

Achievement in art direction

Das werden (wie noch ein paar Mal) Benjamin Button und The Dark Knight unter sich ausmachen. Ich tippe mal, daß Benjamin Button bei seinen 13 Nominierungen mit ein paar Trost-Oscars abgespeist wird. Das hier ist keiner davon …

Achievement in cinematography

… und das auch nicht.

Achievement in costume design

Kostümfilmoscar für den einzigen Kostümfilm.

Achievement in directing

Hier wirds spannend.

Gus van Sant und Stephen Daldry sind wohl chancenlos, und bei Fincher schlägt die “so oft nominiert, da braucht er nicht gerade den Regie-Oscar”-Logik zu.

Danny Boyle ist zwar Engländer, “Slumdog Millionaire” aber ein überragender Film, das könnte funktionieren …

(Ich hoffe, da ist nicht zu viel Wunschdenken von mir dabei, es wäre aber zu schön, wenn ein Film, der in den USA fast keinen Kinostart bekommen hätte, hier groß abräumt.)

Best documentary feature

Klare Sache — Man on Wire ist nicht nur der einzige der Kandidaten, der in den USA nennenswerte Resonanz gefunden hat, er beschäftigt sich auch mit den neo-mythologisch aufgeladenen Twin-Towers (wenn auch Jahre vor 9/11).

Achievement in film editing

Best foreign language film of the year

Daß Waltz with Bashir großartig ist, habe ich ja schon geschrieben.

Das wird ihn nicht dran hindern, diesen Oscar abzustauben …

Achievement in makeup

Hier kommt Benjamin Button nun zu einem seiner Trost-Oscar.

Achievement in music written for motion pictures (Original score)

Ansonsten Durchmarsch für Slumdog Millionaire

Achievement in music written for motion pictures (Original song)

  • “Down to Earth” from “WALL-E” — Music by Peter Gabriel and Thomas Newman, Lyric by Peter Gabriel
  • “Jai Ho” from “Slumdog Millionaire” — Music by A.R. Rahman, Lyric by Gulzar
  • “O Saya” from “Slumdog Millionaire” — Music and Lyric by A.R. Rahman and Maya Arulpragasam

Das ist nun einfache Mathematik — die Slumdog-Stimmen verteilen sich, und wenn auf der anderen Seite Peter Gabriel steht, hält sich die Spannung in Grenzen.

Best motion picture of the year

Ich setze wieder auf den SlumUnderdog.

Achievement in sound editing

Die hohe Kunst des Tonschnitts bleibt uns Normal-Cineasten ja normalerweise verborgen. Aber die Profis werden die besondere Qualität von Richard Kings Meisterleistung schon bemerkt haben …

Achievement in sound mixing

Dto. hier.

Achievement in visual effects

Trostoscar.

Adapted screenplay

Keine Frage, oder?

Original screenplay

  • Frozen River” — Written by Courtney Hunt
  • Happy-Go-Lucky” — Written by Mike Leigh
  • In Bruges” — Written by Martin McDonagh
  • Milk” — Written by Dustin Lance Black
  • WALL-E” — Screenplay by Andrew Stanton, Jim Reardon

Ich wiederhole mich, aber Wall-E? Drehbuch? Häh?

In Bruges hätte diesen Oscar mehr als verdient (da wirklich originelles Drehbuch in einem etwas augelutschten Genre), aber das ist die Kategorie für Milk …

 

Das wären meiner Prognose nach (von deren Eintreffen ich natürlich völlig überzeugt bin …) also sechs Oscars für The Dark Knight und vier für Slumdog Millionaire. Benjamin Button wäre der große Verlierer. 

Mal sehen, vielleicht muß ich noch mal nachbessern, wenn ich die restlichen Filme gesehen habe — aber fest steht auf jeden Fall, daß das eine der spannendsten Oscar-Nächte der letzten Jahre wird.

Daß sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt, daß bei den Oscars nicht mehr die großen Studio-Produktionen gefeiert werden, sondern sich die Awards inzwischen fast zu einem Festival des Independent-Kinos entwickelt haben, ist natürlich mehr als erfreulich. 

Meine persönlichen Favoriten sind übrigens folgende (ohne besondere Reihenfolge):

  • Milk
  • Slumdog Millionaire
  • Waltz With Bashir
  • The Wrestler
  • Revolutionary Road

Update 14.2.: Benjamin Button habe ich nun der Liste der Filme hinzugefügt, die ich gesehen habe, allerdings nicht meiner Favoritenliste. Das war zwar durchaus alles sehr schön gemacht und sah sehr teuer aus, aber irgendwie fehlte Meister Fincher dann doch die Inspiration. Die Schauspieler-Nominierung für Bad Pritt Brad Pitt ist nicht wirklich zwingend, und auch die Idee, aus einer 35-Seiten-Kurzgeschichte nicht nur einen Drei-Stunden-Film zu machen, sondern diesen auch noch mit einer ziemlich angestrengten Rahmenhandlung in die Gegenwart zu verlängern, ist ziemlich fragwürdig. Naja. Immerhin der vermutlich teuerste Kinoeintritt meines Lebens (9,50 Euro im Admiral, schon inklusive 50 Cent Kundenkarten-Rabatt, aber wohl auch inklusive Freitags-, Überlängen und Digitalzuschlag …).

Update 19.2.: Und noch ein Neuzugang, dieses Mal auch auf meiner persönlichen Empfehlungsliste: Revolutionary Road von Sam Mendes!

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