Obwohl ich noch immer nicht alle nominierten Filme gesehen habe, hier mal ein erster Schuß meiner Tipps. Natürlich behalte ich mir bis vor der Verleihung (am 22. Februar) noch Änderungen vor …
Alles weitere nach dem Klick …
In alphabetischer Reihenfolge (wie auch auf dem Official Ballot, dem die Academy tatsächlich mal einen Facelift spendiert hat …), wobei ich die Kurzfilme weglasse.
Performance by an actor in a leading role:
- Richard Jenkins in “The Visitor“
- Frank Langella in “Frost/Nixon“
- Sean Penn in “Milk“
- Brad Pitt in “The Curious Case of Benjamin Button“
- Mickey Rourke in “The Wrestler“
Hier habe ich zwar erst zwei Filme gesehen (“Milk” und “The Wrestler”), aber die Sache halte ich für ausgemacht. Sean Penn ist großartig, “Milk” ist vermutlich der bessere und wichtigere Film, aber Mickey Rourke als abgehalfterter, Hörgerät-tragender Wrestler mit Herzinfarkt-Narbe ist so physisch wie lange kein Darsteller mehr.
Performance by an actor in a supporting role:
- Josh Brolin in “Milk“
- Robert Downey Jr. in “Tropic Thunder“
- Philip Seymour Hoffman in “Doubt“
- Heath Ledger in “The Dark Knight“
- Michael Shannon in “Revolutionary Road“
Hier wäre alles andere als die postume Ehrung für Heath Ledger eine Riesenüberraschung.
(Nebenbei gesagt war The Dark Knight nicht Ledgers letzte Rolle, auch wenn das immer so kolportiert wird. Er spielte unmittelbar vor seinem Tod noch in Terry Gilliams “The Imaginarium of Doctor Parnassus” mit, der nun offenbar tatsächlich veröffentlicht wird — Gilliam hat den Film mit Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell in Ledgers Rolle in Ed-Woodscher Manier fertiggestellt.)
Performance by an actress in a leading role
- Anne Hathaway in “Rachel Getting Married“
- Angelina Jolie in “Changeling“
- Melissa Leo in “Frozen River“
- Meryl Streep in “Doubt“
- Kate Winslet in “The Reader“
Zeit für Kate Winslets ersten Oscar (den sie natürlich schon 2005 hätte bekommen sollen. Nein, 2005 ist nicht Titanic rausgekommen …)
Performance by an actress in a supporting role
- Amy Adams in “Doubt“
- Penélope Cruz in “Vicky Cristina Barcelona“
- Viola Davis in “Doubt“
- Taraji P. Henson in “The Curious Case of Benjamin Button“
- Marisa Tomei in “The Wrestler“
Ich schwanke zwischen Marisa Tomei und Penélope Cruz.
Best animated feature film of the year
- “Bolt“
- “Kung Fu Panda“
- “WALL-E“
Bedarf keiner großen Überlegung, und so enttäuschend Wall-E auch war, so verdient gewinnt er bei der Konkurrenz.
Nur wie er gleich zu sechs Nominierungen gekommen ist (und dann auch noch ausgerechnet fürs Drehbuch!), ist mir schleierhaft.
Achievement in art direction
- “Changeling“
- “The Curious Case of Benjamin Button“
- “The Dark Knight“
- “The Duchess“
- “Revolutionary Road“
Das werden (wie noch ein paar Mal) Benjamin Button und The Dark Knight unter sich ausmachen. Ich tippe mal, daß Benjamin Button bei seinen 13 Nominierungen mit ein paar Trost-Oscars abgespeist wird. Das hier ist keiner davon …
Achievement in cinematography
- “Changeling” — Tom Stern
- “The Curious Case of Benjamin Button” — Claudio Miranda
- “The Dark Knight” — Wally Pfister
- “The Reader” — Chris Menges and Roger Deakins
- “Slumdog Millionaire” — Anthony Dod Mantle
… und das auch nicht.
Achievement in costume design
Kostümfilmoscar für den einzigen Kostümfilm.
Achievement in directing
- “The Curious Case of Benjamin Button” — David Fincher
- “Frost/Nixon” — Ron Howard
- “Milk” — Gus Van Sant
- “The Reader” — Stephen Daldry
- “Slumdog Millionaire” — Danny Boyle
Hier wirds spannend.
Gus van Sant und Stephen Daldry sind wohl chancenlos, und bei Fincher schlägt die “so oft nominiert, da braucht er nicht gerade den Regie-Oscar”-Logik zu.
Danny Boyle ist zwar Engländer, “Slumdog Millionaire” aber ein überragender Film, das könnte funktionieren …
(Ich hoffe, da ist nicht zu viel Wunschdenken von mir dabei, es wäre aber zu schön, wenn ein Film, der in den USA fast keinen Kinostart bekommen hätte, hier groß abräumt.)
Best documentary feature
- “The Betrayal (Nerakhoon)” — Ellen Kuras and Thavisouk Phrasavath
- “Encounters at the End of the World” — Werner Herzog and Henry Kaiser
- “The Garden” — Scott Hamilton Kennedy
- “Man on Wire” — James Marsh and Simon Chinn
- “Trouble the Water” — Tia Lessin and Carl Deal
Klare Sache — Man on Wire ist nicht nur der einzige der Kandidaten, der in den USA nennenswerte Resonanz gefunden hat, er beschäftigt sich auch mit den neo-mythologisch aufgeladenen Twin-Towers (wenn auch Jahre vor 9/11).
Achievement in film editing
- “The Curious Case of Benjamin Button” — Kirk Baxter and Angus Wall
- “The Dark Knight” — Lee Smith
- “Frost/Nixon” — Mike Hill and Dan Hanley
- “Milk” — Elliot Graham
- “Slumdog Millionaire” — Chris Dickens
Best foreign language film of the year
- “The Baader Meinhof Complex” — Germany
- “The Class” — France
- “Departures” — Japan
- “Revanche” — Austria
- “Waltz with Bashir” — Israel
Daß Waltz with Bashir großartig ist, habe ich ja schon geschrieben.
Das wird ihn nicht dran hindern, diesen Oscar abzustauben …
Achievement in makeup
- “The Curious Case of Benjamin Button” — Greg Cannom
- “The Dark Knight” — John Caglione, Jr. and Conor O’Sullivan
- “Hellboy II: The Golden Army” — Mike Elizalde and Thom Floutz
Hier kommt Benjamin Button nun zu einem seiner Trost-Oscar.
Achievement in music written for motion pictures (Original score)
- “The Curious Case of Benjamin Button” — Alexandre Desplat
- “Defiance” — James Newton Howard
- “Milk” — Danny Elfman
- “Slumdog Millionaire” — A.R. Rahman
- “WALL-E” — Thomas Newman
Ansonsten Durchmarsch für Slumdog Millionaire
Achievement in music written for motion pictures (Original song)
- “Down to Earth” from “WALL-E” — Music by Peter Gabriel and Thomas Newman, Lyric by Peter Gabriel
- “Jai Ho” from “Slumdog Millionaire” — Music by A.R. Rahman, Lyric by Gulzar
- “O Saya” from “Slumdog Millionaire” — Music and Lyric by A.R. Rahman and Maya Arulpragasam
Das ist nun einfache Mathematik — die Slumdog-Stimmen verteilen sich, und wenn auf der anderen Seite Peter Gabriel steht, hält sich die Spannung in Grenzen.
Best motion picture of the year
Ich setze wieder auf den SlumUnderdog.
Achievement in sound editing
- “The Dark Knight” — Richard King
- “Iron Man” — Frank Eulner and Christopher Boyes
- “Slumdog Millionaire” — Tom Sayers
- “WALL-E” — Ben Burtt and Matthew Wood
- “Wanted” — Wylie Stateman
Die hohe Kunst des Tonschnitts bleibt uns Normal-Cineasten ja normalerweise verborgen. Aber die Profis werden die besondere Qualität von Richard Kings Meisterleistung schon bemerkt haben …
Achievement in sound mixing
- “The Curious Case of Benjamin Button” — David Parker, Michael Semanick, Ren Klyce and Mark Weingarten
- “The Dark Knight” — Lora Hirschberg, Gary Rizzo and Ed Novick
- “Slumdog Millionaire” — Ian Tapp, Richard Pryke and Resul Pookutty
- “WALL-E” — Tom Myers, Michael Semanick and Ben Burtt
- “Wanted” — Chris Jenkins, Frank A. Montaño and Petr Forejt
Dto. hier.
Achievement in visual effects
- “The Curious Case of Benjamin Button” — Eric Barba, Steve Preeg, Burt Dalton and Craig Barron
- “The Dark Knight” — Nick Davis, Chris Corbould, Tim Webber and Paul Franklin
- “Iron Man” — John Nelson, Ben Snow, Dan Sudick and Shane Mahan
Trostoscar.
Adapted screenplay
- “The Curious Case of Benjamin Button” — Screenplay by Eric Roth
- “Doubt” — Written by John Patrick Shanley
- “Frost/Nixon” — Screenplay by Peter Morgan
- “The Reader” — Screenplay by David Hare
- “Slumdog Millionaire” — Screenplay by Simon Beaufoy
Keine Frage, oder?
Original screenplay
- “Frozen River” — Written by Courtney Hunt
- “Happy-Go-Lucky” — Written by Mike Leigh
- “In Bruges” — Written by Martin McDonagh
- “Milk” — Written by Dustin Lance Black
- “WALL-E” — Screenplay by Andrew Stanton, Jim Reardon
Ich wiederhole mich, aber Wall-E? Drehbuch? Häh?
In Bruges hätte diesen Oscar mehr als verdient (da wirklich originelles Drehbuch in einem etwas augelutschten Genre), aber das ist die Kategorie für Milk …
Das wären meiner Prognose nach (von deren Eintreffen ich natürlich völlig überzeugt bin …) also sechs Oscars für The Dark Knight und vier für Slumdog Millionaire. Benjamin Button wäre der große Verlierer.
Mal sehen, vielleicht muß ich noch mal nachbessern, wenn ich die restlichen Filme gesehen habe — aber fest steht auf jeden Fall, daß das eine der spannendsten Oscar-Nächte der letzten Jahre wird.
Daß sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt, daß bei den Oscars nicht mehr die großen Studio-Produktionen gefeiert werden, sondern sich die Awards inzwischen fast zu einem Festival des Independent-Kinos entwickelt haben, ist natürlich mehr als erfreulich.
Meine persönlichen Favoriten sind übrigens folgende (ohne besondere Reihenfolge):
- Milk
- Slumdog Millionaire
- Waltz With Bashir
- The Wrestler
- Revolutionary Road
Update 14.2.: Benjamin Button habe ich nun der Liste der Filme hinzugefügt, die ich gesehen habe, allerdings nicht meiner Favoritenliste. Das war zwar durchaus alles sehr schön gemacht und sah sehr teuer aus, aber irgendwie fehlte Meister Fincher dann doch die Inspiration. Die Schauspieler-Nominierung für Bad Pritt Brad Pitt ist nicht wirklich zwingend, und auch die Idee, aus einer 35-Seiten-Kurzgeschichte nicht nur einen Drei-Stunden-Film zu machen, sondern diesen auch noch mit einer ziemlich angestrengten Rahmenhandlung in die Gegenwart zu verlängern, ist ziemlich fragwürdig. Naja. Immerhin der vermutlich teuerste Kinoeintritt meines Lebens (9,50 Euro im Admiral, schon inklusive 50 Cent Kundenkarten-Rabatt, aber wohl auch inklusive Freitags-, Überlängen und Digitalzuschlag …).
Update 19.2.: Und noch ein Neuzugang, dieses Mal auch auf meiner persönlichen Empfehlungsliste: Revolutionary Road von Sam Mendes!