Monatsarchiv für Februar 2009
And the Oscar goes to … (4)
Freitag, den 27. Februar 2009Hier noch zwei Youtube-Videos, die man sich als kleinen Oscar-Nachklapp ansehen sollte:
Einerseits die Dankesrede, die wir verpaßt haben weil Mickey Rourke ja beim Oscar für den besten Hauptdarsteller leer ausgegangen ist — den Independent Spirit Award hat er wenige Tage vorher erhalten und ist auf dem besten Wege, Jack Nicholson als coolste Sau in Hollywood abzulösen:
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Und im zweiten Video das, was Kate Winslet bei ihrer Rede eigentlich sagen wollte. Hier ihr (großartiger) Auftritt in der (großartigen!) Serie Extras von Ricky Gervais, dem Erfinder von The Office (aka die Serie, von der Stromberg abgekupfert wurde).
In Extras spielen bekannte Schauspieler bekannte Schauspieler (nämlich sich selbst) am Set verschiedener Filme, in denen jeweils Ricky Gervais und Ashley Jensen als Komparsen Andy Millman und Maggie Jacobs (“Extras”) mit ebenso ungebrochenen wie unerreichbaren Träumen von Größerem mitspielen.
Das ganze ist vor allem in der ersten Staffel unglaublich witzig, vor allem, wenn wie Ben Stiller, Patrick Steward und eben Kate Winslet Schauspieler beteiligt sind, denen es nichts ausmacht, sich bei so einem Projekt mal richtig zum Brot zu machen.
Mir war zwar Winslets Auftritt noch gut in Erinnerung, die als Darstellerin in einem Nazi-Film im Nonnenkostüm in den Drehpausen ihren Kollegen gerne mal Tipps für schmutzigen Telefonsex gibt (und zwar den Extras Ashley Jensen als Maggie Jacobs als Anne Frank, während Ricky Gervais als Andy Millman als Nazi danebensitzt). Aber mir war tatsächlich entfallen, daß sie ihre Rollenwahl damit begründet, daß die Oscars schließlich immer an Nazi-Filme vergeben werden “Schindler’s bloody list, the Pianist — Oscars coming out their ars” …
Ich bin mir sicher, daß die Academy nur darauf gewartet hat, bis Winslet mal tatsächlich eine Nonne im 3. Reich eine KZ-Wärterin spielt und daß die Academymitglieder diese DVD zusammen mit der von The Reader geliefert bekommen haben. Das erklärt auch, warum sie für The Reader und nicht für ihre Rolle im ungleich stärkeren Revolutionary Road nominiert wurde.
Seht also selbst, für welchen Auftritt Kate Winslet ihren Oscar tatsächlich erhalten hat:
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(Das ist ein französisch untertitelter Zusammenschnitt der besten Szenen aus der Folge für alle, die nicht im Besitz der DVD sind, was eigentlich unverzeihlich ist. Die ersten Staffel ist inzwischen auch in Deutschland erschienen oder bei den üblichen Versendern in Großbritannien erhältlich).
Vermutlich übt Winslet schon für ihre nächste Oscar-Rolle, dann als Behinderte …
Danke an Christian Ihle vom taz-Blog “Monarchie und Alltag” für beide Hinweise …
I’m here to recruit you!
Mittwoch, den 25. Februar 2009So sehr ich Mickey Rourke den Oscar für die beste Hauptrolle auch gegönnt hätte, so sehr hat ihn auch Sean Penn für seine Rolle als Harvey Milk verdient.
Gus van Sants Biopic über die Gallionsfigur der amerikanischen Schwulenbewegung, den ersten offen schwulen Stadtverordneten Harvey Milk, ist politisches Kino im besten Sinne. Es ist ein bewegendes Zeitportrait ebenso wie ein politisches Statement, das angesichts des Rückschlags für die Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften durch den Erfolg der “Proposition 8” in Kalifornien wohl genau zur richtigen Zeit kommt.
Hier Sean Penns Dankesrede, die einer der Höhepunkte der Oscar-Verleihung war (“You Commie Homo-Loving Sons of Guns”) — Transkript hier, falls das Youtube-Video gelöscht wird:
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Sowie die Rede des ebenfalls Oscar-prämierten Drehbuchautors Dustin Lance Black (Transkript hier):
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Und der deutschsprachige Trailer:
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Milk läuft im Nürnberger Raum im Cinecittá, in der Meisengeige und im Manhattan, demnächst auch im Babylon und in der Originalversion im Roxy.
Unbedingt sehenswert ist übrigens auch Gus van Sants leider in Deutschland nicht ins Kino gekommener Film “Paranoid Park“, der inzwischen als DVD erhältlich ist.
Geburtstagsgeschenke für spezielle Freunde (1)
Montag, den 23. Februar 2009Vormerken für Freunde mit speziellem Geschmack: Kuschlige Hausschuhe!
Offenbar handelt es sich um ein Kostüm von Bosco the Dancing Bear — vielleicht auch ein Tipp für den nächsten Kindergeburtstag?
(via divinecaroline, vielen Dank an Jan …)
And the Oscar goes to … (3)
Montag, den 23. Februar 2009Oscar-Liveticker ;-)
01.51 Uhr:
Das schöne an den Pro7-Oscar-Übertragungen ist ja, daß es keine Überraschungen gibt. Ich stelle mir das so vor: Da wird jedes Jahr im Februar wieder eine große Kiste vom Dachboden geholt, in der gut geschützt, mit ein paar Mottenkugeln und so, folgende Ausstattungsgegenstände liegen:
- Eine Moderatorin, an der man ein paar Ohrringe befestigen kann, und die es schafft, zwei oder drei Moderationen abzulesen. Unter anderem ca. 10 Mal, daß “wir” (wohl ähnlich wie “wir” auch Papst sind) drei Mal Oscar-nominiert seien.
- Ein angeblicher Filmexperte, der mit bedeutungsschwerer Stimme Vorhersagen in die Kamera brabbelt und als Geheimtipps zu verkaufen, für die die Wettbüros nur Promille-Quoten anbieten — das nennt sich dann Elmar Biebl. (Ich hoffe, daß Pro7 dieses Jahr wieder die Option wählt, die Werbepausen mit Filmtrailern zu füllen, statt die Weisheiten von Herrn Biebl zu verbreiten.)
- Ein weiterer Moderator, der Sekundärstufen-Englisch spricht und deshalb zu Scott Orlin an den den roten Teppich darf. (Anke Engelke hat das vor ein paar Jahren mal witzig gemacht, Steven Gätjen ist — nun ja — Steven Gätjen.)
1:58 Uhr:
Schön, daß Martina Gedeck doch noch auf den roten Teppich durfte. Und zwar ohne ein Ekel wie Herrn Donnersmarck an ihrer Seite …
2:20 Uhr:
Monty Python’s Accountants-Song zum Einmarsch der Herren mit den Aktenkoffern, in denen die Umschläge mit den Preisträgern sind. Da hat jemand Humor.
2:28 Uhr:
“This is the last call. Take your seat now or you will not be seated until the first commercial break 25 Minutes from now.” Hihi, ich glaube nicht, daß geplant war, daß man das im Fernsehen hören kann …
2:49 Uhr:
“Beste Nebendarstellerin” an Penelope Cruz. Mein erster Nicht-Favoriten-Tipp liegt daneben. Och Mensch, Marisa Tomei hätte bestimmt ne schönere Rede gehalten.
Und böse Vorahnung: Heidi Klum ab sofort in jeder Werbepause.
Ansonsten: Bisher großartige Präsentation, Hugh Jackman macht seine Sache unerwartet gut, wenn auch sehr harmlos. Und auch die Idee, die Zuschauer direkt an die Bühne zu holen, funktioniert, ebenso wie die der Kurzlaudatios für die Schauspieler.
Hier die ziemlich witzige Eröffnung: (Leider funktioniert die Youtube-Quelle nicht mehr.)
2:57 Uhr:
1. Katastrophe verhindert: “Wall-E” nicht nur ohne Drehbuch, sondern auch ohne Drehbuch-Oscar
3:10 Uhr:
Wow, nen (Kurz-)Trickfilm-Oscar gegen Pixar zu gewinnen, ist ne Leistung. Herzlichen Glückwunsch, “La Maison en Petits Cubes”!
3:41 Uhr:
Ich will immer noch nicht “Scheiße, ich liebe Dich” als Klingelton runterladen. Und vermutlich auch nicht während der nächsten 15 Werbepausen.
3:48 Uhr:
Hallo Pro7: Schon mal die “Wir sind Oscar”-Beiträge fürs Frühstücksfernsehen vorbereiten. (Nein, nicht Baader-Meinhof, sondern “Spielzeugland” als Kurzfilm.)
4:36 Uhr:
Durchmarsch für Slumdog Millionaire!
4:38 Uhr:
Pro7: Wäre es zu viel verlangt, Eure Praktikanten noch ein bißchen mehr auszubeuten und die Untertitel Eurer Werbepausen-Trailershow anzupassen? “Wall-E — nominiert als bester Trickfilm” zwei Stunden nachdem er den Oscar schon gewonnen hat? Könnte Steven Gätjen das vielleicht machen? Der hat doch auch seit Stunden nix mehr zu tun, oder?
5:08 Uhr:
Auslands-Oscar für “Okuribito”? Huh? Ein Film, der in der IMDB ganze 145 Stimmen hat? Ist heute japanischer Abend oder was? (Habe ich Waltz with Bashir schon genug empfohlen?)
5:34 Uhr:
Oscar für die sympathischste Oscar-Rede an Kate Winslet und ihre Shampoo-Flasche!
5:40 Uhr:
Wo ist eigentlich Jack Nicholson?
5:55 Uhr:
Es ist vollbracht …
Tatsächlich ein unglaublicher Durchmarsch für Slumdog Millionaire, der bis auf den Tonschnitt alles gewonnen hat, für das er nominiert war. Und nur ein paar Trostpreise für Benjamin Button.
Hier die Auswertung unseres kleinen Tippspiels:
Der Award geht … Umschlagraschel … Knitter …. Räusper … an meinen Arbeitskollegen Peter, der von den 21 Langfilm-Oscars sensationelle 15 Richtige getippt hat und hiermit die Trophäe (in Form von der DVD von Peter Jacksons legendärem Frühwerk “Meet the Feebles”) überreicht bekommt.
Auf dem zweiten Platz ein breites Verfolgerfeld mit Kristina, Jan und meiner Wenigkeit mit jeweils 13, dahinter Andi und Änne mit 12 und Käthe mit 9 Richtigen.
Ein Sonderpreis geht an Andi, der es tatsächlich geschafft hat, außer Konkurrenz alle drei Kurzfilm-Oscars richtig zu tippen.
Peter, ich fürchte, wir müssen noch mal ein ernstes Wort miteinander reden. Um nicht zu sagen: Es wird sich entscheiden, ob wir Dich in Zukunft nur noch Slumdog Peter nennen oder ob wir nicht doch noch rausfinden, wie Du es geschafft hast, so clever zu bescheißen …


